Verliert Stahnsdorf seine grüne Seele? Fortsetzung

Eine neue Baugenehmigung an der Potsdamer Allee erregt Widerstand oder vom Mangel an Bebauungsplänen und dem fehlenden Anspruch, Bewährtes zu erhalten!

Wer dieser Tage entlang der Potsdamer Allee durch Stahnsdorf fährt, reibt sich womöglich verwundert die Augen. Viele Baukräne, die alles überragen, Flächen, die von schwerem Gerät umgepflügt werden und immer größer werdende Lücken im einstigen Band von großen und alten Bäumen entlang der Potsdamer Allee.

Investoren versuchen das maximale aus ihren Grundstück herauszuholen und daher bleibt kaum noch Platz für Bäume. Jüngstes negatives Beispiel kann am Kastanienweg/Potsdamer Allee beobachtet werden, wo anstelle einer alten Backsteinvilla zukünftig 51 Wohneinheiten stehen werden. Von den vielen wertvollen Laubbäumen, die dieses Grundstück einmal eingerahmt haben, stehen derzeit noch 6. Ob diese allerdings die Baufertigstellung erleben werden, ist fraglich.

In diese Situation platzte die Mitteilung der Verwaltung, dass nun auch die schönen, großen und alten Linden, die auf dem Grundstück stehen, auf dem auch das Restaurant Taj Mahal zu finden ist, einem Neubau für 17 Wohneinheiten weichen sollen. Noch im Oktober hatte die Fraktion Grüne/Linke vergeblich mit einem Eilantrag die  Unterschutzstellung der Bäume gefordert.

Auf Grund dieser Entscheidung entschlossen sich die BUND Ortsgruppe und die Agendagruppe Gestaltung am vergangenen Samstag interessierte Bürgerinnen und Bürger auf diese Situation hinzuweisen. Keiner verstand, warum  Vorhaben solcher Größe nicht im Bauausschuss diskutiert sondern einfach durchgewinkt werden. Besonders kritisch empfanden es die Anwesenden, dass die Gemeinde nicht in der Lage zu sein scheint, dem eigenen Anspruch zu entsprechen, eine Grüne Gemeinde zu sein und auch bleiben zu wollen. Dieser Anspruch wurde schon 2017 in einem Leitbild für die Gemeindeentwicklung festgehalten, in einem integrierten Klimaschutzkonzept vertieft und mit einem Wettbewerb für insektenfreundliche Gärten in diesem Jahr wiederholt.

Vor diesem Hintergrund stellten die Anwesenden die Forderung, dass  Investoren und Bauherren ein sich an der Klimakrise  orientiertes Verhalten zu tage legen und  die Verwaltung im  Sinne ihrer Bürgerschaft alle Möglichkeiten voll ausschöpft. „Wir können nicht“ ist nicht mehr zeitgemäß!

Verliert das „grüne Stahnsdorf“ seine grüne Seele?

14 Bäume auf dem Grundstück des Restaurant Taj Mahal sollen einem Neubau weichen.

  • Bäume spenden Schatten
    Durch den von Bäumen gespendeten Schatten heizen sich die versiegelten Straßenoberflächen und Häuserwände nicht so stark auf.
  • Bäume verdunsten Wasser
    Bäume transportieren Wasser aus dem Boden. Dies können sie bis in über 100 Meter Höhe befördern. Dabei verdunsten sie das Wasser über ihre Blätter ab. Sie senken an heißen Sommertagen die Lufttemperatur um bis zu 8 Grad Celsius und sind somit eine sehr effiziente biologische Klimaanlage.
  • Bäume wirken wie riesige Filter
    Bäume nehmen Kohlenstoff auf, filtern ihn aus der Luft und speichern ihn in Stamm, Zweigen und den Blättern. Dieser Prozess nennt sich CO2-Sequestrierung. Ein einziger Baum ist in der Lage jährlich 300 kg CO2 zu absorbieren. Eine ausgewachsene Linde zählt zu den Champions beim CO2 Abbau aus der Atmosphäre und kann bis zu 8000 kg CO2 absorbieren. Sie ist also sehr wichtig, wenn es um den Kampf gegen den Klimawandel geht.
  • Bäume liefern Sauerstoff
  • Bäume können täglich ausreichend Sauerstoff für 10 Menschen zu liefern. Häufig wird dabei von „Grünen Lungen“ gesprochen.
  • Bäume verringern den Lärm
    Der Lärm in der Stadt wird erträglicher indem das Laub der Straßenbäume den Schall zwischen den Hausfronten abschwächt und die unangenehmen Töne verschluckt.
  • Bäume bringen Natur in die Stadt
    Straßenbäume bieten für viele Vögel und Insekten in unseren Straßen den nötigen Lebensraum. Indem die Laubbäume im Herbst ihre Blätter verlieren, lassen sie in der dunklen und kalten Jahreszeit genügend Licht und Sonnenwärme für uns Menschen hindurch. Und im Frühling bereichern sie uns mit ihren Knospen, Blüten und Düften und lassen die Sonne in uns aufgehen.
  • Bäume fördern das Wohlbefinden
    Bäume tragen zum physischen und psychischen Wohlbefinden bei. Nicht umsonst sind Erholungsorte Naturorte. Hier fühlt sich der Mensch nämlich wohl.

Dieser große Wert von Laubbäumen wird in Stahnsdorf zwar erkannt, aber leider nicht gelebt, wie diese Beispiele aus Absichtserklärungen, Konzepten oder Wettbewerben zeigen, die alle in den letzten Jahren zu Papier gebracht wurden.

„Die Grün-, Begegnungs- und Waldflächen der Gemeinde bilden das Grundgerüst für die bauliche Entwicklung. Diese Flächen sind dauerhaft miteinander verbunden. Die „grünen Lungen“ von Stahnsdorf werden erhalten und weiterentwickelt . Die Gemeinde leistet einen aktiven Beitrag zum Erhalt des Artenschutzes und der Artenvielfalt. Sie unterstützt Projekte zum Erhalt von ökologischen Vorhaben. In Stahnsdorf wird umweltbewusstes Verhalten gelebt. Die Bürgerinnen und Bürger kennen die Bedeutung eines umweltbewussten Verhaltens.“ Quelle: Leitbild der Gemeinde Stahnsdorf (2017)

„Stahnsdorf etabliert sich als klimaorientierte und klimabewusste Gemeinde mit dem Ziel der Sicherung der naturräumlichen Ressourcen Boden, Wasser, Luft, der Reduzierung der Treibhausgasemissionen sowie der Verbesserung der Energieeffizienz. · Die Gemeinde leistet einen aktiven Beitrag zum Erhalt des Artenschutzes und der Artenvielfalt. Sie unterstützt Projekte zum Erhalt von ökologischen Qualitäten. In Stahnsdorf wird umweltbewusstes Verhalten gelebt. Die Bürgerinnen und Bürger kennen die Bedeutung eines umweltbewussten Verhaltens.“Quelle: INSEK 2021

„Straßenbäume erfüllen mehrere Funktionen, die dem Bürger in ihrer Gesamtheit oft nicht bewusst sind:
1.) ästhetische Funktion (als Gestaltungselement im Ortsbild sowie zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität)
2.) funktionale Bedeutung (als Schattenspender sowie zur Luftkühlung und -befeuchtung, Windbremsung und Feinstaubbindung)
3.) kulturhistorische Bedeutung (als Spiegel früherer Bepflanzungen)
4.) naturschutzfachliche Bedeutung (als potenzielle Nist- und Ruhestätten für Tiere)“ Quelle: Straßenbaumkonzept für die Gemeinde Stahnsdorf (2018)

„Artenvielfalt ist für das ökologische Gleichgewicht unverzichtbar. Jeder Grundstückseigentümer kann einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Gartenfauna und zum Arterhalt leisten.“ Quelle: Wettbewerb insektenfreundliche Gärten (2021)

„Das Klimaschutzkonzept (KSK) der Gemeinde Stahnsdorf dient der systematischen Verankerung des Klimaschutzes als bereichsübergreifende Aufgabe in der Gemeinde. Für zukünftige Anstrengungen liefert es die strategische Entscheidungsgrundlage und dient als Hilfe für die Planung. Der Zeithorizont ist hierbei auf die nächsten zehn bis 15 Jahre gerichtet. Das Hauptaugenmerk bei der Betrachtung und Bewertung aller angedachten Maßnahmen liegt auf der Einsparung von Treibhausgasemissionen. Ein KSK bezieht sich auf das gesamte Gemeindegebiet von Stahnsdorf und umfasst alle klimarelevanten Themen. Die Inhalte gehen konkret auf die Besonderheiten in Stahnsdorf ein und somit weit über generelle Empfehlungen hinaus.“ Quelle: Integriertes Klimaschutzkonzept Gemeinde Stahnsdorf (2018)

Müllsammelaktion Kienwerder

Müllsammelaktion in einem Landschaftsschutzgebiet

Die Ortsgruppe TKS des BUND rief für den 8. Mai zu einer 2-stündigen Müllsammelaktion

Rund um Kienwerder auf. Kienwerder ist umgeben von dem Landschaftsschutzgebiet „Parforceheide“. Innerhalb dieses Schutzgebietes gibt es auch 2 große geschützte Biotope.

Die Tatsache, dass es sich um ein Landschaftsschutzgebiet und um ein geschütztes Biotop handelt, verhindert jedoch nicht, dass Menschen Müll darin „ablagern“.

Um diese Vermüllung zu verringern, folgten 15 Personen im Alter von 13 bis über 70 unter strenger Beachtung der Corona-Regeln dem BUND Aufruf. Damit die Tier- und Pflanzenwelt nicht beeinträchtigt wurde, beschränkte sich die Sammelaktion nur auf einen Streifen entlang der Straßen und Wege.

Alle sind bereit!

Los geht`s!

Den „Erfolg“ der Aktion konnte man an 2 größeren Haufen von Müllsäcken, alten Auto- und Fahrradreifen, Teilen von Radios, Plastikverpackungen, Folien jeglicher Art, Metalle, Eimer voll Gläser und Glasscherben begutachten.

der nördliche „Müllberg“
der südliche „Müllberg“

Das Sammelergebnis und die Beteiligung an dieser Aktion machen Mut, eine solche Aktion an einer anderen Stelle der Gemeinde im kommenden Herbst oder Frühjahr wieder durchzuführen.

Frühjahrsputz um Kienwerder

  

Liebe Mitbewohner von Kienwerder,

die laublose Zeit der vergangenen Wochen und Monate hat es gezeigt,

die Wegränder, die Wiesen, die Sträucher und Wälder sind voller

Müll!

Müll, der der Umwelt, den Pflanzen und Tieren schadet und für uns Bewohner ein ständiges Ärgernis ist.

Wir wollen das wieder ändern und unserer Umgebung ein Stück ihrer Schönheit zurückgeben.

Am   8. Mail

ab 10.00 Uhr  sammeln wir den Müll entlang der Waldstraße (zwischen Kienwerder und Stahnsdorf), Stolper Weg und Am Wiesengrund.

Helfen Sie uns, damit unsere Siedlung wieder schön wird!

Da die Coronasituation keine Menschenansammlungen erlaubt, müssen wir die Teilnehmer räumlich verteilen. Dazu sollten wir vorher wissen, wer mithilft, damit wir planen können.

Daher geben Sie uns bitte Bescheid, wenn Sie dabei sind.

Regina und Karl Schwarz, Am Wiesengrund 8, Tel: 613750

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Wie Linden nach Stahnsdorf und Gütergotz kamen

In der Ortschronik von Peter Reichelt kann man Folgendes lesen:

„…es gab ein erweitertes Edikt des preußischen Staates. Fortan sollte besonderer Wert auf die Bienenzucht gelegt werden. Jeder Bauer wurde verpflichtet, vier Bienenstöcke zu halten, jeder Halbbauer zwei Stöcke und jeder Kossät einen Stock. Die Kirchengemeinde beschloss daraufhin den Erwerb  und die Anpflanzung von Lindenbäumen, die ein Alter von 1000 Jahren erreichen sollten. Als Standort hierfür wurde der unbefestigte Weg von Stahnsdorf  nach Gütergotz gewählt. Somit entstand im Jahre 1831 in ihren Grundzügen die heutige Lindenstraße.“

„Die Gemeinde (hier: Gütergotz) folgte nach 1861 nunmehr dem erweiterten preußischem Edikt der Intensivierung der Bienenzucht. Dazu wurden als Einfriedung des Kirchhofes von drei Seiten Linden gepflanzt. Die Kirchenchronik vermerkt hierbei, dass die Bäume ein Geschenk des Landrates Albrecht waren. Im Jahre 1863 wurden weitere acht Linden durch den Prediger gepflanzt und bezahlt, 18856 durch die Gemeinde vier Linden und 1869 noch einmal vier Bäume von der Kirchenkasse bezahlt.“ 1)

Schon vor 150 Jahren wusste man also um die Bedeutung von Linden für die Bienen. Und heute wissen wir, dass eine Linde auch für viele andere Insekten und für das Klima wichtig ist. Beispielsweise wird “die Winterlinde als wichtige Mischbaumart künftig im Zuge des Klimawandels bei uns eine größere Rolle spielen. Aufgrund ihrer vielfältigen Verflechtungen zu verschiedenen Tierarten trägt die Winterlinde zu Erhalt und Steigerung der natürlichen biologischen Vielfalt bei.“2)

Darüber hinaus erfreuen Linden auch unsere Augen so wie hier

Oder regen zu poetischen Höhenflügen an, wie u.a. in diesem bekannten Volkslied

                               Am Brunnen vor dem Tore

                               da steht ein Lindenbaum

                               ich träumt in seinem Schatten

                               so manchen süßen Traum

Und wie ist es um die Linden in Stahnsdorf und Güterfelde heutzutage nach gerade mal 150 Jahren bestellt?

Schauen Sie selbst – ein Trauerspiel

1) Reichelt, Peter, Im Ort gesehen, Geschichten und Geschichte aus Stahnsdorf, Kleinmachnow, etc im Eigenverlag 2018

2) Quelle:  https://www.lwf.bayern.de/biodiversitaet/biologische-vielfalt/144313/index.php

Mobilfunk – Insekten-Studie

Mobilfunk-Insekten-Studie löst heftige Debatte aus

Die Umwelt- und Verbraucherorganisation diagnose:funk veröf-

fentlichte Ende November 2020 eine umfangreiche Klarstellung

zur Kritik am Review ,,Biologische Wirkungen elektromagnetischer

Felder auf lnsekten“. Diesen bedeutenden Überblick über den

Stand der Wissenschaft hatten die Luxemburger Umweltorgani-

sation AKUT, der NABU Baden-Württemberg und diagnose:funk

gemeinsam im September 2020 herausgegeben.

Nach der Veröffentlichung (u.a. als Beilage in der Fachzeitschrift

Umwelt-medizin -gesellschaft) entbrannte eine heftige Debatte um

die Studie. Medien berichteten deutschlandweit und darüber hin-

aus. Das Bundesamt für Strahlenschutz reagierte mit einer Stellung-

nahme, in Medienberichten wurde von Wissenschaftlern Kritik

geäußert.

In der aktuellen Publikation Brennpunkt von diagnose:funk mit dem

Titel ,,Heftige Debatte um die lnsektenstudie“ gehen die Heraus-

geber auf alle geäußerten Kritikpunkte am Review ausführlich und

wissenschaftlich fundiert ein. „Die Bundesregierung und das Bun-

desamt für Strahlenschutz müssen sich konstruktiv mit den vorlie-

genden Studien und dem Review auseinandersetzen“ fordert Peter

Hensinger, zweiter Vorsitzender von diagnose:funk und zuständig

für den Bereich Wissenschaft. „.Wer an den Ergebnissen des Re-

views derart grundlegend zweifelt, muss eigene Studien in Auftrag

geben. Bis Ergebnisse vorliegen dürfen in Sachen MobiIfunkausbau

keine weiteren Tatsachen geschaffen werden — sprich: Das

Vorsorgeprinzip erfordert ein Moratorium für den Mobilfunkausbau.“

Der wissenschaftliche Fortschritt des Reviews von Thill besteht

darin, dass er akribisch die vorhandenen Studien dokumentiert

und bewertet. Er deckt eine Studienlage auf, die bisher in diesem

Ausmaß nicht vorlag. Die Kritiken bestätigen im vollen Umfang die

Relevanz des Reviews. Angesichts des dramatischen Insekten-

sterbens muss die potenzielle Schädigungsnoxe Mobilfunkstrah-

lung weiter erforscht werden. Der Review basiert auf 83 relevanten

Studien, von denen 72 einen Effekt bei lnsekten aufzeigen, wenn

diese den vom Menschen erzeugten elektromagnetischen Feldern

unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte ausgesetzt sind. Dazu

zählt ganz erheblich die Mobilfunkstrahlung.

Auszug aus der Zusammenfassung des Reviews

Als negative Wirkungen von elektromagnetischen Feldern auf In-

sekten wurden in Studien beschrieben: Einschränkungen des Orien-

tierungssinns, reduzierte Fortpflanzungsfähigkeit und Frucht-

barkeit, Lethargie, Veränderungen der Flugdynamik, Misserfolg

in der Nahrungssuche, reduzierte Reaktionsgeschwindigkeiten,

Fluchtverhalten, Störung der circadianen Rhythmik, Blockierung

der Atmungskette und Schädigung der Mitochondrien, Fehlakti-

vierungen im lmmunsystem, erhöhte Anzahl von DNA-Strangbrü-

chen. […] lm Ergebnis zeigt sich, dass elektromagnetische Felder

einen ernstzunehmenden Einfluss auf die Vitalität von Insekten-

populationen haben könnten. Festgestellt wurde in einigen Expe-

rimenten, dass trotz geringen Belastungen durch Sendeanlagen

nach mehreren Monaten schädliche Auswirkungen eintraten.

Feldstärken bereits 100-fach unterhalb der ICNIRP-Grenzwerte

könnten schon Auswirkungen haben.

Herausgeber

Diagnose:funk ist eine unabhängige Umwelt- und Verbraucher-

schutz-Organisation im deutschsprachigen Raum, die sich für

den Schutz vor elektromagnetischer Strahlung einsetzt. Dazu klärt

diagnose:funk über die gesundheitsschädigenden Wirkungen u.a.

von Mobilfunk- und WLAN-Strahlung auf und fordert zukunftsfähige

technische Lösungen für eine gesundheitsverträgliche Tele-

kommunikation.

Das Review „Biologische Wirkungen elektromagnetischer Felder auf Insekten“

bietet diagnose:funk zum freien Download an: www.diagnose:funk.org/1607

Quelle: Die Naturheilkunde – Fachzeitschrift für Naturheilkunde; Ausgabe 6/2020

Kienwerder, deine geschützten Biotope!

Wat is een Dampfmaschin??? Das ist leichter zu erklären als den Begriff eines gesetzlich geschützten Biotops. Man kann es gern genau nachlesen im §30 des Bundesnaturschutzgesetztes. Das Land Brandenburg hat ebenfalls einen wunderbaren Flyer dazu heraus gegeben. Besonders wertvoll ist darin der Hinweis, was wir tun sollten, um diese Lebensräume möglichst ungestört zu erhalten.

„Die langfristige Erhaltung der für Brandenburg so typischen Biotope ist ein auf Generationen angelegtes Ziel. Es kann nur erreicht werden, wenn sich Behördenvertreter, Verbände und möglichst viele Bürgerinnen und Bürger dieses Ziel zu eigenmachen“ so heißt es dort abschließend.

Sie werden sich jetzt vielleicht fragen, warum ich mir darüber Gedanken mache? Weil ich direkt an einem Biotop in Kienwerder wohne. Und wir haben noch ein weiteres und kaum einer weiß es. Das eine ist das „Faule Fenn“ zwischen der Straße „Am Kiebitzfenn“ und der Straße „Am Birkenhügel“. Das andere liegt zwischen der Waltraudstraße und der Straße „Am Wiesengrund“. Beides sind registrierte Biotope und so auch im Flächennutzugsplan der Gemeinde eingezeichnet.

Wozu dienen sie? Es sind Rückzugsorte unserer heimischen Flora und Fauna. Vor allem für Insekten sind die alten Holzstämme ein Paradies. Im Holunder tummeln sich im Frühjahr die verschiedensten Wildbienen und Wespen, auch Hornissen. Wer sich Zeit nimmt, kann die Vogelwelt beobachten. Zum Beispiel die Sumpfmeise, den Schwarz- und den Grünspecht!

Man kann aber auch Bürger beobachten, die mit ihrer Schubkarre das Laub aus 2 Straßen weiter zu Nachbars fahren, weil die „ein Türchen nach hinten raus“ haben und meinen, ihr Zeug so praktisch und billig zu entsorgen. Weit gefehlt, die Natur kann nur so viel ihres eigenen Biomaterials verarbeiten, wie sie auch produziert. Je mehr ortsfremder Abfall in das Biotop hinein geschüttet wird, desto mehr Schädlinge werden auch angelockt. Und auch die Wildschweine sind beglückt von den Würmern untern den Laubbergen und dem Apfelabfällen. Muss man dort eigentlich zünslerverseuchten Buchsbaum entsorgen???

Was können w i r denn tun, um unsere Biotope zu schützen? Gar nichts!!!! Weder Gartenabfälle noch private Komposthaufen oder Bausand gehören da hinein. Es muss nicht aufgeräumt werden und es sollte auch keine private Grundstückserweiterung werden.

Nein, die Natur soll so bleiben, wie sie ist und sich möglichst unberührt weiter entwickeln. Eigentlich ganz einfach, oder? Wer schüttet denn schon den Inhalt seines Staubsaugerbeutels dem Nachbarn ins Wohnzimmer? Wer das nicht tut, wird auch die Natur vor seiner Haustür achten!

Im Übrigen warten wir schon seit Dezember 2019 darauf, dass die Anlieger dieser geschützten Bereiche von der Gemeinde angeschrieben werden, um sie darüber zu informieren, was sie für einen Schatz vor ihrer Türe haben. Zugesagt wurde das der AG Gestaltung mehrfach, aber…. Es ist halt wie im Märchen, wo es heißt “und wenn sie nicht gestorben sind, dann schlafen sie noch immer.“

Beste Grüße an alle, die unser Kienwerder lieben und es wohn- und lebenswert erhalten wollen!

Ihre Regina Schwarz

Schottergärten

Ausdruck eines modernen Lebensgefühls oder Gärten des Grauens oder sind Schottergärten überhaupt Gärten?

Was spricht für einen Schottergarten?

Das meist genannte Argument heißt „ Pflegeleichtigkeit“, denn in Schottergärten soll durch Wegnahme des Bodens, der Wachstum ermöglicht, unerwünschter Pflanzenwuchs von vorneherein verhindert werden.

Stimmt es, dass Schottergärten pflegeleicht sind?

Nein, meist bilden sich aus Staub, Laub und sonstigem organischem Material nach einigen Jahren Untergründe, in die Pflanzensamen eingeweht werden und dann auch wachsen.

Will man dies verhindern, müssen die Fläche regelmäßig aufwendig gesäubert werden und die Entfernung der Pflanzen zwischen Steinbrocken ist arbeitsintensiv! Was bleibt ist eine Bekämpfung durch Abflämmen oder dem Einsatz von Pflanzengiften. Schnell werden die Steine auch von Algen überwuchert, deren Entfernung wiederum den Einsatz von umweltschädlichen Mitteln erfordert.

Und wie geht es den einsamen Pflanzen inmitten der Steinwüste? Die meisten Pflanzen sind nicht an die wüstenartigen Verhältnisse auf den Steinflächen angepasst. Sie gehen schnell wieder ein oder müssen mit erheblichen Pflegeaufwand erhalten werden.

Foto: privat

Fazit:

Ein Garten, in dem zwischen Schotterflächen ein paar einsame Thuja-, Bambus- oder Kirschlorbeerbüsche wachsen, ist kein Garten und bietet keinerlei Mehrwert:

Schottergärten sind aber nicht nur nicht pflegeleicht und nicht billig im Unterhalt und bieten daher keinen diesbezüglichen Vorteil, sie sind auch eine ökologische Katastrophe.

  • Schottergärten sind ein Alptraum für Schmetterlinge, Vögel und Igel. Hier finden sie weder Nahrung noch Unterschlupf. Schottergärten sind biologisch tot – über und unter der Erde.
  • Schottergärten sind schlecht für das Klima in Ihrer Kommune. Sie heizen sich im Sommer auf, binden keinen Feinstaub und produzieren keinen Sauerstoff.

Falls wir vergessen haben sollten, warum grüne Gärten so wichtig sind:

  • Schmetterlinge und Wildbienen finden Lebensraum und bestäuben nebenbei unsere Zier- und Nutzpflanzen.
  • Niederschläge versickern langsam im Boden und füllen so – gefiltert durch intakte Böden – die Grundwasserspeicher. Das beugt Überschwemmungen vor.
  • Vögel und Fledermäuse ziehen Nachwuchs groß und erbeuten unzählige Mücken und andere Insekten.
  • Büsche und Bäume produzieren Sauerstoff und filtern Feinstaub und Rußpartikel aus der Luft.
  • Pflanzen nehmen die Sonnenwärme auf und tragen durch Verdunstung zur Abkühlung bei. Ihr Schatten verhindert, dass sich der Boden so weit aufheizt, dass es selbst nachts nicht mehr abkühlt.
  • Zaunkönige singen, Igel schmatzen, der Wind rauscht in den Blättern – die meisten Menschen lieben die Natur. In einem lebendigen Garten lässt sie sich hautnah erleben. Kostenlos. Jeden Tag.

Und noch etwas:

Meist sind es die Vorgärten, die mit Schotter zugeschüttet werden, d.h. die Fläche zwischen Haus und Straße, auf der tagtäglich viele Menschen vorbei kommen und dies sehen müssen.

Wir denken, dass eine Schotterfläche keine Frage des individuellen Geschmacks ist, sondern eine aktive Verunstaltung des öffentlichen Raumes, unter dem viele leiden müssen. Denn was passiert, wenn wir diese Schotter-flächen betrachten müssen? Das Grau des Schotters wirkt leblos, kalt, unwirtlich, nahrungsarm. Schotter und Split suggerieren „Vorsicht! Nicht betreten!“ Das Bild spielender Kinder ist in einem solchen Garten nicht vorstellbar – mein Gott wie schrecklich, wie kann man nur so etwas machen.

Wie ist die Rechtslage?

Eigentlich eindeutig. In der Landesbauordnung von Brandenburg (und allen anderen Bundesländer) steht:

§8

  • Nicht überbaute Flächen der bebauten Grundstücke, Kinderspielplätze

(1) Die nicht mit Gebäuden oder vergleichbaren baulichen Anlagen überbauten Flächen der bebauten Grundstücke sind

  1. wasseraufnahmefähig zu belassen oder herzustellen und
  2. zu begrünen oder zu bepflanzen,

soweit dem nicht die Erfordernisse einer anderen zulässigen Verwendung der Flächen entgegenstehen. Satz 1 findet keine Anwendung, soweit Bebauungspläne oder andere Satzungen Festsetzungen zu den nicht überbauten Flächen treffen.

Um dieser Rechtslage noch mehr Nachdruck zu verleihen, gehen immer mehr Kommunen und nun auch das Land Baden – Württemberg dazu über Schottergärten ausdrücklich zu verbieten.

Mehr braucht man eigentlich nicht dazu sagen.

Oder doch – ein Zitat von Tim Smit in „The Lost Gardens of Heligan“

„Wenn Du in einem Garten keine Liebe machen kannst, wenn Du dort nicht träumen oder Dich betrinken kannst – asphaltier ihn doch, wozu ist er sonst gut?“

Quellen:

Karla Krieger; Vom Sinn und Unsinn der Splitt- und Schottergärten

https://stadtundgruen.de/artikel/vom-sinn-und-unsinn-der-splitt-und-schottergaerten-2537.html Ausgabe 3/2016

https://lnv-bw.de/wp-content/uploads/2020/04/2020-06-03-Flyer-Schottergaerten.pdf (Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg e.V.)

https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/balkon-und-garten/grundlagen/planung/26658.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Schottergarten

Peter Sager, Ein Königreich für grüne Daumen in https://www.spiegel.de/reise/aktuell/england-ein-koenigreich-fuer-gruene-daumen-a-414389.html